Es ist schlimm, was den Griechen passiert, allerdings war dies alles absehbar. Warum das alles so gekommen ist, haben wir zu Genüge aus den Medien erfahren.

Was wir uns dennoch immer wieder zu Recht fragen:

„Hat das auf mich und meine Finanzplanung fürs Alter Auswirkungen?“

Ich möchte Ihnen dazu im Folgenden einen Artikel von Jim Parker, Vice President DFA Australia Limited, ans Herz legen.

Alles dreht sich um Griechenland

Die globalen Märkte und Finanznachrichten wurden in der letzten Zeit von einem Thema beherrscht – der Konflikt zwischen dem stark verschuldeten Griechenland und seinen internationalen Kreditgebern über die Konditionen möglicher weiterer Rettungsschirme.

Für alle Investoren, sowohl institutionelle Großinvestoren als auch individuelle kleinere Akteure, ist es schwierig, mit der rasanten Geschwindigkeit der Entwicklungen mitzuhalten und immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Noch wichtiger ist jedoch, dass über mögliche Ergebnisse intensiv spekuliert wurde und wird.

Natürlich kann niemand mit Sicherheit vorhersagen, wie eine mögliche Entscheidung aussehen wird oder ob es überhaupt ein klares Endergebnis geben wird. Immerhin beschäftigt uns dieses Kapitel bereits seit mehr als sechs Jahren, seit die griechische Bonität durch die drei größten Kreditratingagenturen herabgestuft wurde und gleichzeitig die Befürchtung einer Insolvenz der griechischen Regierung aufkam.

Seitdem erregt das Thema Griechenland immer wieder zeitweise die öffentliche Aufmerksamkeit und verschiedene Rettungspakete kamen und gingen. Die politischen und sozialen Unruhen breiteten sich vermehrt aus und ergriffen das Land, das als die Wiege der Demokratie gilt.

Es gibt jedoch ein paar Punkte, die wir bei all dem bedenken sollten. Die umfassende Berichterstattung in den Medien ändert nichts an der Tatsache, dass Griechenland nur einen sehr kleinen Teil der Weltwirtschaft ausmacht und weltweit an 51. Stelle steht gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Kaufkraftparitäten, welches die relativen Kosten lokaler Güter berücksichtigt.

So gesehen ist Griechenlands Wirtschaft kleiner als Katars, Perus oder Kasachstans Wirtschaft, und keines dieser Länder spielt momentan eine große Rolle in den weltweiten Nachrichten. Im Vergleich gesehen ist Griechenlands Wirtschaft ungefähr halb so groß wie die von Ohio in den USA oder New South Wales in Australien, und macht in etwa nur ein Zehntel der Größe von Großbritanniens Wirtschaft aus. Sogar innerhalb Europas ist Griechenland vergleichsweise winzig und stellt nur etwa 2% des BIPs der 19 Staaten der Eurozone dar.

Auch im Verhältnis zu den weltweiten Aktienmärkten gesehen ist Griechenland ein kleiner Fisch. Laut den jüngsten Daten von Anfang Juli stellt Griechenland in etwa 0,32% des MSCI Emerging Markets Index und nur 0,03% des MSCI All Country World Index dar.

Auch wenn seine nominelle Gesamtverschuldung relativ zum BIP rund 180% beträgt, stellt dies trotz allem nur 1% der globalen Schuldenmärkte dar.

Was Investoren jedoch Sorgen bereitet ist nicht so sehr Griechenland alleine, sondern die weitreichenden Auswirkungen der Schuldenkrise auf europäische Banken als Kreditgeber, auf die Zukunft der einheitlichen europäischen Währung und auf das globale Finanzsystem.

Viele dieser Sorgen werden jedoch bereits in den Marktpreisen reflektiert, wie zum Beispiel in den Preisen griechischer Staatsanleihen, in den Spreads von Anleihen aus Peripherieländern der Eurozone, in regionalen Aktienmärkten und in der einheitlichen europäischen Währung selbst.

Obwohl niemand mit Sicherheit sagen kann, was als Nächstes passieren wird, kann Marktvolatilität als grober Richtwert der kollektiven Erwartungen gesehen werden. Ein häufig zitierter Richtwert ist der Volatilitätsindex des Chicago Board Options Exchange, oft auch bekannt als der „Angstindex“. Dieser stieg erst Mitte Juni von 12 auf 18 Punkte. Als Investor müssen Sie jedoch auch bedenken, dass dieser Index während des Höhepunkts der Finanzkrise 2008 um rund 80 Punkte gestiegen war.

Natürlich darf das menschliche Elend und die wirtschaftliche Notlage, an denen die griechische Bevölkerung leidet, nicht heruntergespielt werden. Ebenso wenig sollten die finanziellen Risiken verharmlost werden. Aus einer Investmentperspektive jedoch gibt es in dieser Situation wenig, dass der einzelne kleine Investor abseits der gewohnten Maßnahmen tun kann.

Diese Maßnahmen lauten, dass Investoren auf lange Sicht diszipliniert bleiben, eine breite Diversifikation über Länder und Assetklassen sicherstellen und immer berücksichtigen sollten, dass Märkte neue Informationen sofort aufnehmen und mit einpreisen. Änderungen in einem Portfolio als Reaktion auf schnelllebige Nachrichten bergen daher das Risiko, das Sie am Ende auf Ereignisse reagieren, die bereits in Wertpapierpreise einkalkuliert wurden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Ereignisse in Griechenland besorgniserregend sind, die griechische Wirtschaft jedoch sehr klein ist und nur einen minimalen Anteil der globalen Märkte ausmacht. Die Ereignisse überschlagen sich, die Preise passen sich jedoch sofort an, sobald neue Informationen aufkommen und Investoren ihre Erwartungen ändern.

Für Sie als einzelner Investor liegt der beste Ansatz immer noch darin, diversifiziert zu bleiben über eine große Anzahl an Ländern und Assetklassen und den Fokus auf Ihre eigenen Ziele nicht zu verlieren. Am wichtigsten ist es jedoch, auf den von Ihnen gewählten Finanzberater zu hören, der Ihre persönliche Situation am besten versteht.

 

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem Artikel etwas mehr Klarheit und Objektivität verschaffen.
Sie dürfen mir gerne eine E-Mail senden christoph.freitag@financial-planning.de, wenn Sie Fragen oder Kommentare zu diesem Artikel oder zu Investitionen im Allgemeinen haben.

 

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